Drei Menschen, drei Geschichten, ein Gefühl: An dieser Fachschule für Sozialpädagogik bin ich richtig!

Asma ist 32 Jahre alt und kam extra für diese Ausbildung von Algerien nach Deutschland. Jan ist 18 und hatte ursprünglich ganz andere Pläne für seine berufliche Zukunft. Und Anabell verbindet mit ihrer Schule eine besondere Familiengeschichte. So unterschiedlich ihre Herkunft, ihre Erfahrungen und ihre Beweggründe auch sind, die Drei verbindet ein gemeinsames Ziel: Erzieher:in werden.

Anabell findet: Hier macht lernen Spaß

Lehrende, die sich Zeit für Gespräche mit einzelnen Schüler:innen nehmen, ein Lehrer, der im Sommer Eis mitbringt, ein anderer, der bei Hitze mit der Spritzpistole durchs Schulhaus läuft – das hat Anabell bisher nur an dieser Schule erlebt. „Man merkt, dass die Lehrer hier anders sind“, sagt die 18-Jährige begeistert. Seit zwei Jahren besucht sie die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik in Weinstadt. Zuerst hatte sie dort das einjährige Berufskolleg für Sozialpädagogik besucht, das sie auf die Ausbildung zur Erzieherin vorbereitet hat. Jetzt ist sie im zweiten Lehrjahr.

Traumjob Erzieherin

Während viele junge Menschen nach ihrem Schulabschluss verunsichert sind und nicht genau wissen, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollen, hatte Anabell Glück. Ihr fiel die Entscheidung recht leicht, denn babysitten und sich mit Kindern zu beschäftigen, war schon immer ihr Ding. Und ein bisschen wurde ihr dieser Weg auch in die Wiege gelegt. Denn auch ihre Mutter ist Erzieherin – und war sogar auf derselben Fachschule. Durch deren Erzählungen waren Anabells Erwartungen an die private Einrichtung von Beginn an ziemlich hoch.

Verlässliche Werte, moderne Ausstattung

Ihre Mutter habe von der herzlichen Atmosphäre geschwärmt, vom Zusammenhalt unter den Schülern, dem Engagement der Lehrkräfte und der Qualität der Lehre. Das ist noch immer so, kann Anabell mittlerweile bestätigen. Verändert hat sich trotzdem einiges, zum Beispiel was die digitale Ausstattung der Klassenzimmer angeht. Und es gibt jetzt eine moderne Naturwerkstatt, ein besonders ausgestattetes Klassenzimmer, mit der die Schule einen Schwerpunkt im Profilfach Naturpädagogik gesetzt hat.

Vieles, was die Schule positiv auszeichnet, führt Anabell auf das evangelische Profil der staatlich anerkannten Fachschule zurück. Dabei betont die Rohrbronnerin, dass der christliche Background hier für Toleranz und Offenheit sorge und niemanden ausschließe.

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Die Fachschule bietet verschiedene Ausbildungsgänge an

Annabell leitet in ihrer Freizeit eine Mädchengruppe bei den christlichen Pfadfindern der Royal Rangers. Die Mädels seien zwar schon länger aus dem Kindergartenalter raus, trotzdem könne sie auch hier viel Gelerntes anwenden. Im Gegenzug hat dieses Hobby eine wichtige berufliche Entscheidung beeinflusst, nämlich die, die schulische und nicht die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) zur Erzieherin zu machen. „Bei der rein schulischen Ausbildung habe ich Schulferien. Das ist besser vereinbar mit meinem Ehrenamt.“

Im Gegensatz zu den PiA-Azubis, die während der ganzen Ausbildung zwei Tage die Woche in einer Kita mithelfen und drei Tage in der Schule sind, hat Anabell vier Tage Unterricht und einen Praxistag pro Woche. Das dritte Lehrjahr heißt Berufspraktikum. Sie wird dann am Stück in einer Kita arbeiten und dabei Geld verdienen. Neben der Ausbildung macht sie zusätzlich ihre Fachhochschulreife. „Die Gespräche bei den Infoabenden haben mir geholfen, zu entscheiden, welche Ausbildung besser zu mir passt.“

Jan vertraute bei der Berufswahl seinem Bauchgefühl

Jan, mit dem Anabell seit dem gemeinsamen Jahr im Berufskolleg befreundet ist, hat sich dagegen für die praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher entschieden – und ist heute total happy mit seiner Entscheidung. Nach seinem Realschulabschluss wollte er eigentlich noch das Abitur machen, doch dann landete er eher zufällig auf einem Infoabend für angehende Erzieher:innen.

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Erste Erfahrungen im Kindergarten

Den Alltag in einer Kita hatte der 18-Jährige bereits mit 14 bei einem Berufspraktikum kennengelernt und festgestellt: „Die Arbeit mit Kindern kann zwar anstrengend sein, aber man bekommt so viel zurück!“ Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf fasste er schließlich den Entschluss, Erzieher zu werden, und schaute sich nach einer passenden Fachschule um. Wichtig war ihm: Sie sollte nicht zu groß sein.

„Ich wollte nicht nur eine Nummer sein!“
Jan Portät
Jan
Azubi zum Erzieher

Ein Ort zum Wohlfühlen

Das familiäre Ambiente an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt habe ihm sofort gefallen, so der Nellmersbacher. Besonders schätze er die „kleinen, feinen Dinge“, die hier für die Schüler:innen getan würden, wie etwa der Tischkicker, der in den Pausen für Spaß sorgt oder der Garten, in dem man im Sommer chillen kann.

Gute Vorbereitung auf den Erzieher-Beruf

Auf den großen Fußballplatz geht’s bei Jan dann oft nach der Schule – oder ins Theater. Gerade studiere seine Truppe am Bandhaus Theater Backnang ein neues Stück ein. „Im Text lernen bin ich nicht so gut, aber im Stimmen imitieren – das lieben auch die Kinder!“, erzählt er. Ein bisschen Stolz schwingt auch in seiner Stimme mit, als er von seiner Entwicklung berichtet: „Vor zwei Jahren konnte ich noch gar keine Angebote für Kinder planen! Jetzt kriege ich das alleine hin.“

An der Evangelischen Fachschule würde einem das Lernen leicht gemacht – auch in Bereichen, die einem weniger liegen. So hat sich Jan zum Beispiel für dieses Jahr das Wahlpflichtfach „Singen mit Kindern“ ausgesucht: „Ich kann nicht singen, deshalb mach ich das. Um mich zu verbessern.“ Und auch, weil die nette Lehrerin sich noch ein paar Männerstimmen gewünscht habe.

In der privaten Fachschule werden alle gleich behandelt

Dass die Männer an der Schule in der Unterzahl sind, stört den 18-Jährigen nicht. Er fühle sich in der vielfältigen und aufgeschlossenen Schulgemeinschaft absolut wohl. So geht es auch Asma. Mit 32 Jahren ist sie eine der älteren Fachschüler:innen hier. Die Algerierin hat in ihrer Heimat bereits Deutsch studiert und eine Ausbildung zur „Kleinkinder-Assistentin“ gemacht. Vor zwei Jahren kam sie nach Weinstadt, um ihr Wissen in diesen beiden Gebieten weiter zu vertiefen.

Es sei nicht leicht gewesen, mit 32 nochmal neu anzufangen, sagt Asma. Aber sie sei sehr motiviert: „Wir bekommen viel theoretisches Wissen, das man in der Praxis umsetzen kann. Mehr als in meiner Heimat.“ Auf dem Stundenplan stehen hier sogenannte Handlungsfelder, die wiederum in Lernfelder unterteilt sind, zum Beispiel „EBG“, was für Erziehung und Betreuung gestalten steht.

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Die Fachschule unterstützt Schüler:innen in vielen Bereichen

Asma macht die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin. Sie musste also rechtzeitig vor Ausbildungsbeginn einen Ausbildungsvertrag mit einem Träger abschließen. Auch dank einer Liste der Kooperationspartner, die die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt zur Verfügung stellt, sei ihr das recht schnell gelungen, so die Algerierin. Nach einer Wohnung habe sie Gott sei Dank nicht suchen müssen. „Ich wohne direkt hier im Wohnheim für junge Frauen über der Schule.“ Dass sie im gleichen Gebäude lebt und lernt, findet sie praktisch. Dadurch habe sie kurze Wege und noch schneller Anschluss gefunden.

„Ich habe viele Freundinnen kennengelernt. Das war hier sehr leicht für mich.“
Asma Porträt
Asma
Auszubildende aus Algerien

Blick in die Zukunft

Besonders gerne kocht die 32-Jährige in der Gemeinschaftsküche des Wohnheims Gerichte aus Algerien und lädt dann Freunde zum Essen ein. Oder sie geht mit Freundinnen spazieren. Schön sei es hier, man sei im Grünen und doch mit der S-Bahn schnell mal in Stuttgart.

Wohin es nach ihrem Abschluss für sie geht, zurück in die Heimat oder woanders hin, weiß Asma noch nicht. Sicher ist sie nur – und das gilt auch für Jan und Anabell: Ihre berufliche Zukunft sehen sie in einer Kita. Sie wollen sehen, wie Kinder wachsen und sie in ihrer Entwicklung unterstützen. Und sie freuen sich über jeden, der diesen Wunsch mit ihnen teilt.

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Die zwei angehenden Erzieherinnen unterhalten sich vor dem Schild der Fachschule.

Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt

Neben den schulischen Ausbildungsgängen und der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) zur Erzieherin bzw. zum Erzieher, bietet die Fachschule auch die Ausbildung Sozialpädagogische Assistentin bzw. Sozialpädagogischer Assistent an.

Außerdem gibt es die Möglichkeit ausbildungsbegleitend die Fachhochschulreife zu erwerben oder verschiedene integrierte Studienmodelle wahrzunehmen, also Ausbildung und Studium zu kombinieren.

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Texte/Videos: Caroline Berger – Fotos: Markus Metzger